
Stellen Sie sich vor: Sie haben jahrzehntelang Vermögen aufgebaut, um sorgenfrei in Rente zu gehen. Doch anhaltende Kursverluste gefährden die geplanten Entnahmen während des Ruhestands.
Das ist kein Pech, sondern ein realistisches Szenario. Wirtschaftskrisen, geopolitische Spannungen, Inflation und Währungsverluste sorgen derzeit für hohe Marktunsicherheit und Kursschwankungen. Das macht die zu erwartende Rendite während der Entnahmephase schwer planbar. Bereits ein Rückgang von wenigen Prozentpunkten in der Durchschnittsrendite kann bis zum vollständigen Kapitalverzehr einen Unterschied von mehr als 10 Jahren ausmachen. Deshalb sind starre Entnahmepläne mit festen Auszahlungsintervallen fatal.
Für eine lebenslange Rente ohne Risiko braucht es stattdessen eine dynamische Entnahmestrategie, die Risikofaktoren wie Kursschwankungen oder Inflation mitdenkt. Wie so ein krisensicherer Entnahmeplan aussieht, darum geht es in diesem Artikel. Doch lassen Sie uns von vorne anfangen…
WAS IST EIN ENTNAHMEPLAN?
Ein Entnahmeplan beschreibt eine Strategie oder Vorgehensweise zur Auszahlung von Vermögen. In der Regel ist dieses Vermögen global und breit gestreut in einem Wertpapierdepot angelegt. In den meisten Fällen wurde das Vermögen als Altersvorsorge aufgebaut. Dann geht es beim Entnahmeplan darum, dass das Vermögen lange genug hält, um sich davon eine lebenslange Rente auszuzahlen. Aber auch generationenübergreifender Vermögenserhalt oder finanzielle Freiheit können Ziele eines Entnahmeplans sein.
Die meisten Banken und Finanz-Tippgeber empfehlen starre Vorgehensweisen bei der Entnahmeplanung. Dann wird in bestimmten Intervallen, zum Beispiel monatlich, quartalsweise oder jährlich, ein festgelegter Betrag aus dem Depot ausgezahlt. Das restliche Vermögen bleibt angelegt und arbeitet weiter.
Solche starren Entnahmepläne gibt es in zwei Varianten:
STARRER ENTNAHMEPLAN MIT KAPITALVERZEHR
Ein starrer Entnahmeplan mit Kapitalverzehr sieht vor, dass das Vermögen bis zum Lebensende aufgebraucht ist. Dieser Zeitraum ist, wie Sie sich vorstellen können, allerdings nicht eindeutig vorhersehbar und damit schwer planbar. Banken investieren daher das ihnen für im Ruhestand anvertraute Vermögen oft nur sehr zaghaft, unter Annahme niedriger Durchschnittsrenditen, was die Problematik umso mehr verschärft.
STARRER ENTNAHMEPLAN OHNE KAPITALVERZEHR
Ein starrer Entnahmeplan ohne Kapitalverzehr bedeutet, dass das angesparte Vermögen als Kapitalstock erhalten bleibt und lediglich die erzielten Renditen als passives Einkommen bzw. Rente ausgezahlt werden. Der Vorteil ist, dass das Vermögen nach Ihrem Lebensende für die Erben erhalten bleibt. Allerdings benötigt ein Entnahmeplan ohne Kapitalverzehr eine wesentlich höhere Kapitalsumme
Doch ein starrer Entnahmeplan verkennt die tatsächlichen Wertentwicklungen der Märkte! Langfristig und über viele Jahre hinweg überwiegen nämlich sogenannte Bullenmärkte mit Kursanstiegen von mehr als 20 Prozent, während Bärenmärkte, also Kursrückgänge über 20 Prozent, nur kurzfristig auftreten. Ein Blick auf globale Kursentwicklungen der letzten 100 Jahre beweist: Meist erholen sich die Kurse innerhalb weniger Monate, während Bullenmärkte in der Regel mehrere Jahre anhalten. Dennoch können Kurseinbrüche sehr große Vermögensverluste verursachen. Für eine Rente ohne Risiko braucht es daher eine dynamische Entnahmestrategie, die wirklich schützt statt spekuliert.
WAS IST EIN DYNAMISCHER ENTNAHMEPLAN?
Ein dynamischer Entnahmeplan balanciert zwischen Portfolioerhalt auf der einen Seite und Einkommensstabilität auf der anderen Seite. Entnahmen folgen dabei keinem starren Entnahmeplan mit gleichbleibend hohen Auszahlungen, sondern einer dynamischen Entnahme relativ zum Portfoliowert und der Inflation, mit oder ohne zuvor festgelegte, prozentuale Ober- und Untergrenzen.
In Phasen starker Kursanstiege, den Bullenmärkten, können tendenziell höhere Beträge entnommen und dadurch zusätzliche Gewinne gesichert werden. Das wiederum ermöglicht, schlechte Marktphasen mit Kursrückgängen ohne größere Verluste auszusitzen.
Ein dynamischer Entnahmeplan stellt also sicher, dass das Vermögensportfolio während der gesamten Lebenszeit erhalten bleibt, selbst nach mehr als 30 Jahren regelmäßiger Entnahmen in verschiedenen Marktphasen.
Zudem berücksichtigt ein dynamischer Entnahmeplan die Inflation als wesentlichen Faktor für Einkommensstabilität, zum Beispiel durch steigende Entnahmebeträge, um den gewohnten Lebensstandard trotz Kaufkraftverlust zu erhalten.
DYNAMISCHEN ENTNAHMEPLAN BERECHNEN: SO GEHT’S
Beim dynamischen Entnahmeplan wird zuerst anhand des bei Ruhestandseintritt vorhandenen Vermögens und des jährlichen Einkommensbedarfs eine anfängliche, prozentuale Entnahmerate festgelegt, zum Beispiel 5 Prozent von 500.000 Euro, also 25.000 Euro. Auf Grundlage dieses jährlichen Einkommensziels sowie des erwarteten Zeithorizonts werden Ober- und Untergrenzen für die jährliche Auszahlung festgelegt und die Inflationsrate zum anfänglichen Einkommensziel addiert. Bei einer Inflationsrate von 2 Prozent liegt der neue Einkommensbedarf bei 25.500 Euro. Die Obergrenze liegt 5 Prozent über dem Einkommensbedarf mit Inflation, also bei 26.775 Euro. Die Untergrenze liegt 2,5 Prozent unter dem neuen Einkommensbedarf, also bei 24.862 Euro.
Die Auszahlungen in den Folgejahren erfolgen jährlich rückwirkend auf Basis der im Vorjahr erzielten Wertentwicklung des Portfolios sowie der festgelegten Ober- und Untergrenzen. Die Werte der prozentualen Ober- und Untergrenzen fallen umso niedriger bzw. enger aus, je länger der Anlagehorizont ist. Die geeignete Entnahmestrategie sowie die Höhe der tatsächlichen Entnahmen richten sich bei einem dynamischen Entnahmeplan nach der Volatilität im jeweiligen Entnahmezeitraum.
- Inflationsorientierte Entnahme ohne Ober- und Untergrenze in stabilen Marktphasen
- Dynamische Entnahme mit Ober- und Untergrenze bei moderaten Schwankungen
- Prozentuale Entnahme ohne Ober- und Untergrenze bei starken Schwankungen
In Jahren positiver Wertentwicklungen oberhalb der Obergrenze von beispielsweise +5 Prozent entspricht die Entnahme dem für das jeweilige Jahr errechneten Einkommensbedarf, plus 5 Prozent.
In wertestabilen Jahren oder bei moderaten Kursrückgängen orientiert sich die Entnahme am für das jeweilige Jahr errechneten Einkommensbedarf, minus der Untergrenze von beispielsweise – 2,5 Prozent.
Bei starken Kursschwankungen wird eine nachhaltige Entnahmerate außerhalb der Ober- und Untergrenzen errechnet, immer mit Blick auf langfristigen Kapitalerhalt. Das ermöglicht überdurchschnittliche Entnahmen in guten Marktphasen, um Gewinne zu realisieren und zusätzlich erzieltes Kapital vor Verlusten zu schützen.
Wichtig: Ziel der dynamischen Entnahmestrategie ist immer, dass das Portfolio trotz regelmäßiger Entnahmen mit maximaler Wahrscheinlichkeit nach 30 Jahren noch nicht erschöpft ist.
WANN STARTEN MIT ENTNAHMEPLANUNG FÜR LEBENSLANGE RENTE?
Den Entnahmeplan sollten Sie idealerweise bereits während des Vermögensaufbaus oder besser noch davor mit einem für dynamische Entnahmeplanung qualifizierten Berater thematisieren. Ihre Vermögensziele sowie Ihr Einkommensbedarf im Ruhestand, unter Einbeziehung von Inflation und Rentenlücke, bestimmen maßgeblich die Höhe des benötigten Kapitals.
Dabei gilt: Je früher Sie mit der Geldanlage beginnen, desto besser. Wer einen längeren Anlagehorizont hat, braucht insgesamt weniger Kapital einzahlen und profitiert maximal vom Zinseszinseffekt.
Sie stehen kurz vor der Rente und haben noch keinen Entnahmeplan? Kein Problem. Sowohl Entnahmeplanung als auch Vermögensaufbau sind ü50 noch möglich.
Vereinbaren Sie gerne einen Termin für eine individuelle Strategie.
WAS UMFASST EIN DYNAMISCHER ENTNAHMEPLAN FÜR RENTE OHNE RISIKO?
Nun haben Sie eine Idee, wie ein dynamischer Entnahmeplan aussieht und wie entscheidend eine frühzeitige, flexible Planung von Vermögensaufbau und Entnahme für eine Rente ohne Risiko ist. Neben der dynamischen Entnahmestrategie sollte ein guter Entnahmeplan aber auch unvorhergesehene Risiken berücksichtigen, die während oder nach der Ansparphase auftreten können, zum Beispiel durch hohe steuerliche Belastungen, gesetzliche Änderungen in Bezug auf Steuern und Vermögen, länger anhaltende Bärenmärkte, Langlebigkeit, Erkrankungen oder überdurchschnittliche Inflationsraten. Solche Risikofaktoren nicht zu berücksichtigen und regelmäßig im Blick zu behalten, kann schlimmstenfalls dazu führen, dass Ihr Vermögen vorzeitig aufgebraucht ist.
Auch die Reihenfolge von Marktentwicklungen hat einen erheblichen Einfluss auf die Wertentwicklung Ihres Portfolios im Ruhestand. Fallende Kurse zu Beginn Ihres Ruhestands können zu vorzeitiger Kapitalerschöpfung führen.
Dieses Phänomen nennt sich “Sequence-of-Return-Risiko” (SORR) und ist gerade in Krisenzeiten relevant. Der Entnahmebeginn während eines Börsencrashs kann bis zur Kapitalerschöpfung einen Unterschied von mehr als 10 Jahren ausmachen. Ein Anleger, der beispielsweise 1973, zu Beginn einer der schwersten Börsenkrisen in den USA, mit einem Portfoliowert in Höhe von 500.000 Euro und einer jährlichen Entnahme in Höhe von 25.000 Euro, seinen Ruhestand antrat, hatte nach 23 Jahren sein Vermögen vollständig aufgebraucht. Ein Anleger, der 11 Jahre später, im Jahr 1974 mit dem selben Portfoliowert und derselben jährlichen Entnahme in den Ruhestand ging, hatte selbst nach 35 Jahren noch ein Vermögen von 300.000 Euro.
Erfolgreiche Ruhestands- und Entnahmeplanung für Rente ohne Risiko bedeutet daher, die strategische Planung und Anpassung der Vermögensentnahmen im Ruhestand genauso ernst zu nehmen wie den Vermögensaufbau in der Ansparphase. Flexibilität und jährliche Anpassung sind hierbei nicht optional, sondern (überlebens-)notwendig.
Liquiditätsreserven, mindestens für einen Zeitraum von 3 bis 6 Monaten oder sogar für ein ganzes Jahr, schützen zusätzlich, wenn Bärenmärkte und unsichere Marktphasen länger andauern. Um solche Phasen entspannt aussitzen zu können, sollte immer Geld für 3 bis 6 Monate liquide und schnell verfügbar sein, zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto.
WEITERE MÖGLICHKEITEN DER ABSICHERUNG UND OPTIMIERUNG FÜR RENTE OHNE RISIKO
Die größten Risikofaktoren, während der Entnahme im Ruhestand Schiffbruch zu erleiden, sind hohe Kursverluste und Steuern. Mit den nachfolgenden Strategien können Sie diese Risikofaktoren begrenzen:
DEPOTS MIT ABSICHERUNGSINSTRUMENTEN
Depots mit Absicherungsinstrumenten, wie das Global Strategy Beta Plus Portfolio, begrenzen Kursverluste nach unten auf ein festgelegtes Niveau, zum Beispiel 10 Prozent. Das bedeutet, sobald die Kurse am Markt mehr als 10 Prozent fallen, greift ein Sicherheitsmechanismus, sodass Ihr Kapital nicht weiter an Wert verliert. Fallen die Kurse weiter, erzielen Sie sogar Renditen aus Kursverlusten.
PORTFOLIO-DIVERSIFIKATION
Herzstück des Portfolios sollte immer ein globales, breit gestreutes Aktienportfolio sein, idealerweise mit Risikoabsicherung, wie das gerade vorgestellte Global Strategy Beta Plus Portfolio. Doch die Risikostreuung durch ein globales Wertpapierdepot reicht alleine manchmal nicht aus. An diesem Punkt kommt Portfolio-Diversifikation ins Spiel. Zusätzliche Anlageklassen wie Edelmetalle oder Immobilien, auch als nicht-physische Variante über Fonds, erhöhen die Risikostreuung und bieten zusätzlichen Schutz vor Inflation.
MANTELPOLICE
Eine Mantelpolice ist ein Wertpapierdepot im (Renten-)Versicherungsmantel. In diesem Versicherungsmantel ist Ihr Vermögen als Altersvorsorgeaufwendung größtenteils vor dem Zugriff Dritter geschützt sowie vor dem Fiskus – ein großer Hebel für die Wertentwicklung Ihres Vermögens. Während der Ansparphase fällt keine Abgeltungsteuer an, wodurch Ihr Kapital ungehindert wachsen kann. Wer die Ansparphase bis zur Rente durchhält, profitiert zudem vom sogenannten Halbeinkünftegesetz und zahlt auf die erzielten Kapitalerträge nur die Hälfte der Abgeltungssteuer.
STEUEROPTIMIERUNG
Die steuerliche Optimierung ist ein unverzichtbarer Hebel sowohl für den Vermögensaufbau als auch bei der Entnahmeplanung. Neben der Mantelpolice ist zum Beispiel auch über Edelmetalle, Immobilien oder Solaranlagen der Schutz Ihres Vermögens durch Steuerersparnisse möglich. Zudem sollten bei der Planung der Zeitpunkte für die Entnahme die jährlichen Steuerfreibeträge berücksichtigt werden. Ein komplettes Depot auf einmal aufzulösen, kann hingegen steuerlich teuer werden. Auch über vorzeitige Schenkungen und Vermögensübertragungen von Kapitalüberschüssen lassen sich effizient Steuern sparen.
FAZIT
Für eine Rente ohne Risiko ist ein dynamischer Entnahmeplan mit Unter- und Obergrenzen essentiell, der jährlich überprüft und an die jeweiligen Marktbedingungen angepasst wird. Damit bringen Sie Ihr Vermögen sicher und ohne größere Verluste durch unsichere Marktphasen und Krisen, die während der Auszahlungsphase auftreten können.
Auch die Zeit während des Vermögensaufbaus kann und sollte strategisch genutzt werden, um für den Start in den Ruhestand einen möglichst hohen Kapitalstock aufzubauen, den Zinseszinseffekt maximal auszuschöpfen, das Anlagerisiko zu begrenzen und Steuern zu sparen.
Der Beginn des Ruhestands sollte strategisch geplant werden und möglichst nicht in einer Börsenkrise liegen, um das Sequence-of-Return-Risiko und den damit verbundenen vorzeitigen Kapitalverzehr zu begrenzen. Liquiditätsreserven in Höhe des benötigten Einkommens für bis zu ein Jahr liefern hier die Flexibilität, um schlechte Marktphasen abzuwarten.
Als zusätzliche Möglichkeiten zur Absicherung und Optimierung für die Altersvorsorge eignen sich zum Beispiel die Einbindung des Kapitals in sogenannte Mantelpolicen sowie risikogesicherte globale Depots, die vor größeren Kursrückgängen schützen, wie beispielsweise das Global Strategy Beta Plus Portfolio.
Sie möchten Ihr Vermögen für den Ruhestand strategisch planen und einen dynamischen Entnahmeplan für eine lebenslange Rente ohne Risiko berechnen lassen? Vereinbaren Sie gerne einen Termin bei mir (auch online).
PS: Fast alle von mir vorgestellten Investmentkonzepte und -strategien sind auch für Personen mit US-Bezug in Deutschland möglich. Sprechen Sie mich einfach an.
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