RR Capital Consulting Blog | Vermögen über Generationen erhalten

Wir alle wünschen uns, dass unsere Lieben nach unserem Ableben abgesichert sind, auch finanziell. Schätzungsweise 400 Milliarden Euro werden in Deutschland jährlich vererbt. Und das Familienvermögen soll möglichst über Generationen erhalten bleiben. Doch in der Realität ergeben sich häufig Herausforderungen unterschiedlicher Art, die am Ende das Vermögen kosten, das einst mühsam aufgebaut wurde. Eine Langzeitstudie der Williams Group fand heraus, dass 70 Prozent der wohlhabenden Familien ihr Vermögen bis zur zweiten Generation und 90 Prozent bis zur dritten Generation verlieren. 

Das sind alarmierende Zahlen, finde ich. Ich frage mich: Wird die Relevanz einer guten Nachlassplanung innerhalb der Familie grundsätzlich unterschätzt? Und was macht eine gute Nachlassplanung überhaupt aus, um Vermögen über Generationen zu erhalten?

In diesem Artikel benenne ich die häufigsten Ursachen für generationenübergreifenden Vermögensverlust und zeige Ihnen, wie Vermögenserhalt und Vermögensschutz über Generationen hinweg gelingen.

DIE ROLLE DER ERBSCHAFTSSTEUER BEIM TRANSGENERATIONALEN VERMÖGENSSCHUTZ

Wie groß das jährliche Erbvolumen in Deutschland wirklich ist, ist schwer zu erfassen. Steuerlich berücksichtigt werden nämlich nur Erbschaften oberhalb der Freibeträge, die, je nach Verwandtschaftsgrad, unterschiedlich hoch ausfallen. Der höchste Freibetrag von 500.000 Euro gilt für Ehepartner, 400.000 Euro für Kinder, 200.000 Euro für Enkelkinder, 100.000 Euro für Urenkel und 20.000 Euro für alle übrigen Personen. Alles darüber wird versteuert und das kann hierzulande richtig wehtun – bis zu 50 Prozent Erbschaftssteuer können fällig werden. Im schlechtesten Fall geht also die Hälfte Ihres Vermögens ans Finanzamt statt an Ihre Erben.

Doch auch zu Lebzeiten kann es zu vermeidbaren Vermögensverlusten durch Steuerzahlungen kommen, zum Beispiel durch fällige Kapitalertragssteuer auf ungeschützte Vermögenswerte.

Deshalb ist es vor allem bei der Nachlassplanung hoher und sehr hoher Vermögen entscheidend, steuerliche Aspekte zu berücksichtigen und rechtzeitig steuerwirksame Maßnahmen zu ergreifen, zum Beispiel durch steuerlich geschützte Geldanlagen und frühzeitige Vermögensübertragungen durch Schenkungen, Beteiligungen, Nießbrauch, usw.

Wie Sie sehen, kann mangelnde steuerliche Optimierung erheblich zum Verlust des Familienvermögens beitragen. Allerdings ist dann oft schon vorher eine Menge schiefgegangen. Wesentlich schwerer wiegen nämlich familiäre Probleme, auch dann, wenn Sie denken, alles im Griff zu haben. Glauben Sie nicht? Dann lesen Sie mal weiter…

DIE ROLLE DER FAMILIE BEIM TRANSGENERATIONALEN VERMÖGENSSCHUTZ

96 Prozent der transgenerationalen Vermögensverluste sind auf familieninterne Schwierigkeiten zurückzuführen. Die Williams Group benennt in ihrer Studie mangelnde oder fehlende Kommunikation, fehlendes Vertrauen, mangelnde Vorbereitung der Erben, fehlende Familienmission sowie schlechte oder ausbleibende Beratung in Bezug auf rechtliche, steuerliche und finanzielle Entscheidungen als Hauptgründe, dass die nachfolgenden Generationen am Vermögenserhalt scheitert.

Wenn Sie Vermögen über Generationen erhalten möchten, sollten Sie Ihre Erben daher frühzeitig in die Finanz- und Nachlassplanung Ihrer Familie einbeziehen. Dabei sollten wichtige Werte, finanzielle Bildung und eine klare Strategie vermittelt werden. Ihre Erben sollen verstehen, wie das Familienvermögen zustande gekommen ist, wie es verwaltet wird und auch, wie es in Ihrem Sinne verwendet werden soll.

Und das Wichtigste ist: Scheuen Sie sich nicht, in Ihrer Familie über Geld zu sprechen! Auch wenn das Thema sich für Sie unangenehm, privat oder strittig anfühlt, lohnt es sich, Berührungsängste rund um das Thema Finanzen zu überwinden. Ideale Zeitpunkte für ein “Geldgespräch” können zum Beispiel Anlässe wie die bevorstehende Geburt eines Kindes, eine geplante Hochzeit, ein Hauskauf oder der Berufseinstieg sein.

Tipp: Warten Sie mit der Nachlassplanung nicht bis zu Ihrem Eintritt ins Rentenalter!

DIE ROLLE DER GESUNDHEIT BEIM TRANSGENERATIONALEN VERMÖGENSSCHUTZ

Sie ahnen es schon: Auch gesundheitliche Aspekte können Ihnen bei der Nachlassplanung einen Strich durch die Rechnung machen und den Vermögenserhalt gefährden. 

Mit dem Alter nehmen körperliche und kognitive Beeinträchtigungen zu. Einer Studie der US-amerikanischen Vermögensverwaltung Vanguard zufolge, erleiden zwei von drei Menschen im Laufe ihres Lebens eine kognitive Beeinträchtigung, mit oder ohne Demenz. Dadurch kann es zu finanziellen Fehlentscheidungen kommen, die Betroffene bis zu 14 Prozent ihres Nettovermögens kosten.

Auch eine notwendige Heimunterbringung kann erhebliche Kosten verursachen und noch zu Lebzeiten einen Großteil des Vermögens verzerren. Laut statistischem Bundesamt werden mehr als die Hälfte der Menschen im Laufe ihres Lebens pflegebedürftig, wovon rund ein Drittel vollstationär im Pflegeheim landet. Und auch Unfälle können in 7 Prozent der Fälle zu dauerhaften Einschränkungen mit langfristiger Pflegebedürftigkeit führen.

Um Vermögenseinbußen durch gesundheitliche Aspekte vorzubeugen, kann zum Beispiel der Abschluss einer privaten Pflegeversicherung sinnvoll sein, dessen Beiträge umso günstiger sind, je früher Sie sie abschließen.

DIE ROLLE DES BERATERS BEIM TRANSGENERATIONALEN VERMÖGENSSCHUTZ

Ein gutes Beraternetzwerk aus Juristen, Steuerberatern, Investmentberatern und anderen Professionen ist für die Vermögensverwaltung wohlhabender Familien entscheidend. Doch etwa 70 Prozent der der Beratungsbeziehungen werden nach dem Tod des Erblassers von dessen Hinterbliebenen nicht fortgesetzt. Das fand der NextWealth Report 2023 heraus. Eine erschreckende Quote, die die Wahrscheinlichkeit transgenerationaler Vermögensverluste deutlich erhöht, denn unreguliertes Vermögen ist Vermögen, dass schnell weg ist.

Was sind die Ursachen dafür, dass Beratungsbeziehungen an der Folgegerneration scheitern?

Der Hauptgrund ist die fehlende Einbindung der nachfolgenden Generation in die Beratungsbeziehungen zu Lebzeiten. Und auch Misstrauen und Desinteresse der Erben gegenüber den Beratern spielen eine Rolle, insbesondere wenn die Beratung teuer ist, altbacken erscheint oder das Wohlergehen der Erben kaum berücksichtigt. 

Machen Sie Ihre Erben frühzeitig mit Ihren Beratern bekannt, lassen Sie zu, dass Ihre Erben eigene Wünsche und Vorstellungen für die Finanz- und Nachlassplanung einbringen und nehmen Sie deren Bedenken und Meinungen ernst! 

Achten Sie auch auf die Qualität Ihres Beraternetzwerks! Idealerweise verfügt Ihr Vermögensverwalter selbst über ein ausgezeichnetes Expertennetzwerk. Je nach Umfang Ihrer Vermögens- und Nachlassplanung sind das beispielsweise Immobilienexperten, Versicherungsexperten, Rechtsexperten, Unternehmensberater, Steuerberater, Kreditvermittlungen, Coaches oder Mediatoren. Auch Technologie ist ein wichtiger Aspekt, weil sie kostengünstige und effiziente Vermögensverwaltung ermöglicht, die gerade von jüngeren Generationen sehr geschätzt wird.

Doch es gibt noch einen weiteren Risikofaktor, der unbedingt berücksichtigt werden muss, um Vermögen über Generationen zu erhalten, nämlich die Inflation.

DIE ROLLE DER INFLATION BEIM TRANSGENERATIONALEN VERMÖGENSSCHUTZ

Inflation führt vor allem langfristig zu erheblichen Vermögensverlusten, ganz ohne, dass Sie es merken, weil nicht der Geldbetrag, sondern die Kaufkraft. Schon bei einer vergleichsweise niedrigen Inflationsrate von 2 Prozent ist Ihr Vermögen innerhalb von 20 Jahren nur noch die Hälfte wert. 

Wenn langwierige Streitigkeiten ums Erbe und der Abbruch von Beratungsbeziehungen dazu führen, dass das Vermögen nicht inflationsgesichert verwaltet und angelegt wird, können die Vermögensverluste erheblich sein. Auch deshalb ist eine gute Nachlassplanung wichtig, wenn Sie Vermögen über Generationen erhalten möchten.

Es ist nicht kleinlich oder übertrieben, wenn Sie Vermögensübertragungen und Erbschaften sorgfältig planen. Nachfolgend möchte ich Ihnen einige Möglichkeiten vorstellen, wie Sie beim Erben und Schenken mitbestimmen können…

SO KÖNNEN SIE MITBESTIMMEN BEIM ERBEN UND SCHENKEN

Jede Familie ist anders. Manchmal reicht es nicht, darauf zu vertrauen, dass Ihre Erben das Familienvermögen in Ihrem Sinne verwalten. Deshalb gibt es Möglichkeiten, die Vermögensausschüttung und -verwendung gezielt zu steuern.

Testament

Meine erste Empfehlung, um beim Erben und Schenken mitzubestimmen, ist das Aufsetzen eines Testaments. Dabei handelt es sich um ein rechtliches Dokument, in dem Sie verfügen, wie Ihr Vermögen unter Ihren Erben aufgeteilt werden soll. Außerdem ist es mit einem Testament möglich, die gesetzliche Erbfolge abzuändern und sogar Erben zu benennen, die nicht Teil der gesetzlichen Erbfolge sind. Theoretisch ist bereits ein handgeschriebenes Testament, mit Ort, Datum und Ihrer Unterschrift gültig. Der sichere Weg ist aber immer ein notarielles Testament.

Familienstiftung

Eine Familienstiftung ist ein privates Rechtsobjekt, das durch Zweckgebundenheit dem langfristigen Schutz und Erhalt des Familienvermögens dient. Gerade bei erheblichen Vermögen kann sich eine Familienstiftung sehr lohnen, trotz hoher bürokratischer und rechtlicher Hürden. Gegenstand der Familienstiftung können Immobilien, Unternehmen und Geldvermögen sein. Die Familienstiftung regelt sowohl die Vermögensausschüttung an die Erben als auch die Nutzung des Vermögens und schützt das Vermögen gleichzeitig vor Gläubigern. Außerdem bietet eine Familienstiftung steuerliche Vorteile, da in der Regel nur die Körperschaftssteuer in Höhe von 15 Prozent anfällt.

Treuhandfonds

Auch ein Treuhandfonds kann durch Reglementierung von Verwendung und Ausschüttung dazu beitragen, Ihr Vermögen über Generationen erhalten. Dabei wird das Vermögen von einem Treuhänder verwaltet, der das Vermögen nach von Ihnen festgelegten Regeln kontrolliert an die Erben ausschüttet. Gleichzeitig schützt ein Treuhandfonds das Erbe vor Insolvenz und Gläubigern.

Vermögenspolicen mit Veto-Recht und Termfix

Auch bestimmte Vermögenspolicen, beispielsweise Mantelpolicen, bieten steueroptimierte Möglichkeiten für Vermögensschutz und Nachlassregelung. Mit Veto-Recht und Termfix-Klauseln können Sie bestimmen, wann und wofür Ihr Vermögen ausgeschüttet wird und sogar die gesetzliche Erbfolge umgehen.

FAZIT

Es ist machbar und vor allem planbar, Vermögen über Generationen zu erhalten. Vermögensverluste durch schlechte Nachlassplanung sind vermeidbar, wenn Sie frühzeitig Ihre Erben in die Familienfinanzen einbeziehen und offen mit ihnen über Geld sprechen. Wichtige Themen sind finanzielle Bildung, gemeinsame finanzielle Ziele und die Einbindung Ihrer Erben in Ihr Beraternetzwerk.

Eine gute Vermögensverwaltung schützt Ihr Vermögen durch inflationsgesicherte Investments. Zudem sollten auch steuerliche und gesundheitliche Aspekte einbezogen werden. 

Die Verwendung und Ausschüttung Ihres Vermögens können Sie gezielt steuern und vor dem Zugriff Dritter schützen, zum Beispiel über ein Testament, eine Familienstiftung, einen Treuhandfonds oder eine Vermögenspolice mit Veto-Recht und Termfix-Klausel.

Sie möchten wissen, wie eine gute Nachlassplanung in Ihrem Fall aussehen könnte, um Ihr Vermögen über Generationen zu erhalten? Vereinbaren Sie gerne einen Termin bei mir (auch online).

PS: Fast alle von mir vorgestellten Investmentkonzepte sind auch für Personen mit US-Bezug in Deutschland möglich. Sprechen Sie mich einfach an.

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