RR Capital Consulting Blog | ETF-Check: Bilden passive Indizes globale Märkte ab?

Letztens fragte mich ein Mandant, wie groß der US-Anteil in unserem Global Strategy Aktienportfolio (GSP) sei. Es sind 65 Prozent!  Danach fragte er mich, welchen Anteil die sogenannten “Magnificent 7”, also die größten US-Technologieunternehmen, daran haben. Die Antwort auf diese Frage erstaunte nicht weniger, denn alleine im S&P 500 liegt deren Anteil bei 38 Prozent.

Nach dem Gespräch mit meinem Mandanten dachte ich noch länger über die Gewichtung einflussreicher Unternehmen in globalen Indizes nach. Ich stellte mir die Frage, ob passive Indizes wirklich globale Märkte abbilden und damit echte Risikostreuung beim Investieren überhaupt ermöglichen. 

Deshalb setzte ich mich hin und machte den ETF-Check: Ich schaute mir weitere Indizes an und wollte herausfinden, welchen Anteil die 10 größten Unternehmen jeweils an einem Index haben. Das Ergebnis war ebenso überraschend wie erstaunlich. Doch lesen Sie selbst…

WIE SIND DIE 10 GRÖßTEN UNTERNEHMEN IN PASSIVEN LÄNDERINDIZES GEWICHTET?

Zuerst schaute ich mir weitere Länderindizes an und es stellte sich heraus, dass die Gewichtung der größten Unternehmen im US-amerikanischen S&P 500 noch harmlos ist.

Im deutschen Länderindex MSCI Germany beispielsweise konzentrieren sich stolze 62,3 Prozent auf die Unternehmen SAP (14,49), Siemens (10,61), Allianz (8,40), Deutsche Telekom (6,17), Rheinmetall (5,55), Münchener Rück (4,32), Siemens Energy (4,11) Deutsche Bank (3,37), Infineon (2,64) und Deutsche Börse (2,62).

Ein Einzelfall? Keineswegs! Auch der französische Länderindex bildet zu 56,72 Prozent die 10 größten französischen Unternehmen ab, nämlich Schneider Electric (7,16), LVMH (7,17), Airbus (6,45), Safran (5,94), TotalEnergies (5,84), Air Liquide (5,63), L’Oreál (4,87), Sanofi (4,77), EssilorLuxottica (4,57) und BNP Paribas (4,33).

Dasselbe Bild zeigte sich auch im außereuropäischen Raum. Der brasilianische Länderindex MSCI Brazil repräsentiert zu 59,95 Prozent die 10 Unternehmen Nu Holdings (12,98), Vale (9,38), Itaú Unibanco (9,35), Petrobras (6,54), Banco Bradesco (4,22), B3 (3,17), Itaúsa (2,97), Eletrobras (2,86) und SABESP (2,84).

In China entfallen 49,92 Prozent auf die 10 größten chinesischen Aktienunternehmen Tencent (18,07),  Alibaba (12,92), Xiaomi (3,93), PDD Holdings (3,10), China Construction Bank (3,06), Meituan (2,21), NetEase (1,75), BYD (1,72), ICBC (1,59) und Trip.Com Group (1,57).

Und ich machte noch eine weitere Entdeckung, die mir ehrlich gesagt Gänsehaut verschaffte. Ich fand heraus, dass selbst einzelne Unternehmen in ETFs als regelrechte Konzentrationstreiber fungieren, so wie im südkoreanischen Länderindex MSCI Korea. Die 10 größten Unternehmen bilden im MSCI Korea 58,47 Prozent des Index ab, wovon allein auf Samsung und SK Hynix 39 Prozent entfallen.

Noch krasser ist die Konzentration im dänischen Länderindex MSCI Denmark. Fast 47 Prozent des Index stecken in einer Aktie, dem dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk. Damit ist eine Investition in den dänischen Länderindex also praktisch ein Novo-Nordisk-Trade.

Fakt ist, passive Länderindizes sind extrem spitzenlastig, weil der größte Anteil der Indizes auf einzelne Unternehmen konzentriert ist. Ich fragte mich, wenn schon Länderindizes so konzentriert sind, wie konzentriert sind dann internationale ETFs?

WIE KONZENTRIERT SIND INTERNATIONALE ETFS?

Ich führte meine Analyse fort und untersuchte zum Vergleich noch zwei bekannte internationale ETFs, den MSCI World und den EURO STOXX 50.

Beim globalen ETF MSCI World lag die Top-10-Gewichtung bei 27,3 Prozent, mit NVIDIA (5,56), Apple (4,72), Microsoft (4,54), Amazon (2,60) an der Spitze, gefolgt von Meta (1,98), Broadcom (1,83), Alphabet A (1,76), Tesla (1,60), Alphabet C (1,49) und JPMorgan (1,09).

Der europäische Index EURO STOXX 50 weist mit 40 Prozent eine weitaus höhere Konzentration der europäischen Top-10-Unternehmen auf, mit ASML (8,08), SAP (5,75), Siemens (4,27), Allianz (3,47), Schneider Electric (3,40), Banco Santander (3,27), LVMH (3,26), TotalEnergies (2,92), Airbus (2,88) und Safran (2,79).

Diese Zahlen beweisen, was ich bereits vermutet hatte, nämlich dass auch internationale ETFs stark konzentriert auf marktführende Unternehmen sind. Aber warum sind die größten Unternehmen in den Indizes eigentlich so stark gewichtet?

WARUM SIND GROßE UNTERNEHMEN IN PASSIVEN INDIZES SO STARK GEWICHTET?

Die Gewichtung der passiven Indizes richtet sich nach der Marktkapitalisierung der enthaltenen Aktien. Das ist der monetäre Gesamtwert aller Aktien eines börsennotierten Unternehmens, die sich gerade im Umlauf befinden. Je höher die Marktkapitalisierung eines Unternehmens ist, desto mehr Einfluss hat das Unternehmen auf den jeweiligen Markt.

Und da passive Indizes immer den Markt abbilden, sind einflussreiche Unternehmen umso stärker gewichtet, je größer ihre Marktkapitalisierung ist.

Aufgrund ihrer hohen Marktkapitalisierung dominierende Unternehmen werden übrigens als Large Caps bezeichnet. Dazu zählen beispielsweise die großen US-Technologieunternehmen NVIDIA, Apple oder Microsoft, die derzeit den globalen Markt beherrschen.

Soweit zur Theorie. Doch was bedeutet es für Anleger und Anlegerinnen, wenn wenige, dominierende Unternehmen in ETFs so stark gewichtet sind?

WAS BEDEUTET ES, WENN WENIGE UNTERNEHMEN IN ETFS STARK GEWICHTET SIND?

Wenn ETFs auf wenige Unternehmen konzentriert sind, erhöht sich das Risiko für Anleger und Anlegerinnen. Aufgrund der hohen Marktkapitalisierung einzelner Aktien ist keine echte Risikostreuung mehr gegeben. Das führt zu stärkeren Schwankungen, die durch eine breite Diversifikation normalerweise abgeschwächt werden.

Die vermeintlich sichere Investition in Märkte wird dann zur Spekulation auf einzelne Top-Unternehmen, deren Entscheidungen und Performance die Kursentwicklung des Index bestimmen und damit Ihr angelegtes Vermögen gefährden.

Doch wie ist echte Risikostreuung bei steigender Marktkonzentration möglich, ohne den Markt vorherzusagen?

WIE IST ECHTE RISIKOSTREUUNG MIT ETFS MÖGLICH?

Sie müssen nicht mehr Anteile der anderen Unternehmen des Index kaufen, um echte Risikostreuung zu erreichen. Sie müssen einfach nur mehr Märkte kaufen.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, was ich Ihnen damit sagen will?! Die Antwort ist, die Märkte sind effizient und damit ist es auch Ihre Geldanlage, wenn Sie den gesamten Weltmarkt abbildet. Und wenn ich vom gesamten Markt rede, meine ich auch Nischenmärkte und Schwellenländer, die in den großen Indizes oft gar nicht enthalten sind. 

Jahrzehntelange Analysen der Märkte auf Basis von Harry Markowitz’ Portfolio-Theorie zeigen, dass echte Risikostreuung durch Portfolio-Diversifikation entsteht. Je besser Ihr Portfolio also den gesamten Weltmarkt repräsentiert, desto geringer ist das Risiko Ihrer Geldanlage.

Und mehr noch: Eine sehr gute Portfolio-Diversifikation ermöglicht sogar Mehrrenditen gegenüber den Entwicklungen einzelner Märkte. Aus diesem Grund achte ich in der Beratung auf die Abbildung globaler Märkte in den Portfolios meiner Mandanten. Produkte wie das Global Strategy beta+ Portfolio enthalten zusätzlich eingebaute Absicherungsinstrumente, die größere Schwankungen abfedern und damit sicheres Investieren auch ü50 noch ermöglichen.

FAZIT

Passive Indizes wie ETFs ermöglichen nicht immer eine breite Risikostreuung, weil die Unternehmen darin nach Marktkapitalisierung gewichtet sind. Meine Analyse ergab, dass passive Indizes oftmals von wenigen Top-Unternehmen dominiert werden, die nicht selten mehr als die Hälfte des Kurswertes ausmachen.

Eine echte Risikostreuung beim Geldanlegen kann deshalb nur durch Portfolio-Diversifikation erreicht werden, die auch kleinere Märkte und Schwellenländer berücksichtigt. Eine intelligente Portfolio-Diversifikation ermöglicht auch Mehrrenditen gegenüber den Renditen einzelner Märkte.

Aufgrund der zunehmenden Marktkonzentration des Weltmarktes spielen zunehmend auch Absicherungsinstrumente eine wichtige Rolle, um Schwankungen abzufedern. Ein Beispiel für ein global diversifiziertes Portfolio mit Risikoabsicherung ist das Global Strategy beta+ Portfolio.

Sie möchten Ihr bestehendes Portfolio anhand der Erkenntnisse aus diesem Artikel prüfen lassen oder sich ein Portfolio zusammenstellen lassen, das wirklich globale Märkte abbildet und gleichzeitig Ihr Risiko minimiert? Vereinbaren Sie gerne einen Termin bei mir (auch online).

PS: Fast alle von mir vorgestellten Investmentkonzepte sind auch für Personen mit US-Bezug in Deutschland möglich. Sprechen Sie mich einfach an.

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